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im Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU)
Freitag, 30.07.2010
Wanderfalken

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Aktuell:
In diesem Jahr begann die Brutsaison der Wanderfalken außergewöhnlich früh: Bereits am 24. Februar lag das erste Ei im Horst, das nächste Ei folgte am 27. Februar. Nach dem harten Winter ist ein derart früher Brutbeginn ungewöhnlich. Vorbereitung der Brut: Nestkuhle
27. Februar 2010: Zwei Eier liegen im Horst. Nach einer warmen Woche Ende Februar kehrte der Winter mit Macht zurück; im März wurde es noch einmal sehr kalt. Die ersten beiden Eier wurden noch nicht bebrütet; erst ab dem dritten Ei beginnt das Weibchen zu brüten.
Doch die Wanderfalken hielten noch mehr Überraschungen für uns bereit: Am 27. Februar drang ein fremder Terzel in den Nistkasten ein. Das Weibchen stellte sich vor die zwei bereits gelegten Eier und rief aufgeregt, als wolle sie ihre Brut gegen den Eindringling verteidigen. Der neue Terzel trägt einen goldenen Ring, wie er den Gebäudebrütern unter den Wanderfalken angelegt wird. Das alte Männchen tauchte nicht mehr auf.
 
links das Weibchen, rechts der kleinere und beringte Terzel
Der beringte Terzel Der beringte Terzel.
Erst nach einer Pause von 13 Tagen lag am 12. März 2010 das dritte Ei im Nest. Zwei weitere Eier folgten am 15. und 17. März 2010.
 
17. April: 5 Eier liegen im Nest. Eins ist ungewöhnlich hell.
Brütendes Weibchen: eins der fünf Eier guckt raus. Der Grund für die lange Pause war vermutlich der Partnerwechsel und das kalte Wetter. Das Weibchen versuchte, alle fünf Eier zu bebrüten, hatte aber Mühe, alle Eier unter ihrem Körper unterzubringen; ein Ei lag häufig daneben.
Auch der neue Terzel beteiligte sich am Brutgeschäft, aber da er deutlich kleiner als das Weibchen ist, gelang es ihm noch weniger, alle Eier zu bedecken (siehe Foto). So blieben die zwei ersten Eier unfruchtbar. Eines dieser beiden Eier, das ungewöhnlich hell geraten war, fraß das Weibchen am 30. März leer. Das zweite unfruchtbare Ei entfernten AGW-Mitarbeiter bei der Beringung am 10. Mai 2010.
 
Brütender Terzel. Zwei Eier kann er nicht bedecken.
20. April 2010: Die frisch geschlüpften zwei Jungfalken Am Dienstag, 20. April 2010, saßen bereits zwei Jungfalken im Nistkasten; der dritte Jungvogel schlüpfte am Mittwoch, 21. April 2010.
Der neue Terzel erwies sich als eifriger, aber in mancher Hinsicht noch unreifer Partner des Wanderfalken-Weibchens. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger beteiligte er sich am Brüten und blieb oft sogar nachts im Nistkasten neben dem brütenden Weibchen. Er schleppte auch häufig Beute heran, ließ sich aber nicht selten im Nistkasten neben seinen Jungen zur Mahlzeit nieder und vesperte eifrig mit (ein ungewöhnliches Verhalten).
Dies konnte Ch. Reimers vom NABU Esslingen noch am Montagabend, 31. Mai, beobachten, nachdem der erste Jungvogel bereits ausgeflogen war. Anschließend saß einer der Altvögel (vermutlich der Terzel) lange neben den zwei flüggen Jungen auf dem Flugbrett und folgte den Jungfalken gegen 20.00 Uhr, als es stärker zu regnen begann, in den Nistkasten. Leider gelang es keinem der Beobachter unter den Naturschützern bisher, die Ringnummer am Fuß des Terzels abzulesen; wir wissen nicht, woher er kam. 
Terzel mit drei Jungen
Nach der Fütterung: Volle Kröpfe. Im Hintergrund der Terzel.
Nach der Fütterung: Volle Kröpfe. Im Hintergrund der Terzel.

Sein Vorgänger war in der Versorgung der Jungen in den letzten Jahren immer nachlässiger geworden. Er kam mehrfach ohne Beute im Horst an und zwang das Weibchen öfter, selbst die erst wenigen Tage alten Jungen, die dringend gewärmt werden mussten, kurz zu verlassen, um selbst Vögel zu fangen. Wanderfalken sind Vogeljäger, die ihre Beute im Sturzflug greifen und durch einen Biss ins Genick töten. Dabei ist längst nicht jeder Anflug erfolgreich; viele Vögel entkommen durch eine schnelle Richtungsänderung, bevor der Falke zustößt. Unser Esslinger Wanderfalken-Weibchen ist aber offensichtlich eine gute Jägerin, und durch die vielen Stadttauben ist der Tisch für sie und ihre Familie auch reichlich gedeckt. Während der Brutzeit jagen die Wanderfalken meistens im Nahbereich bis 3 km um den Brutplatz herum; ihr Jagdgebiet umfasst in dieser Periode maximal 30 Quadratkilometer. Im Herbst und Winter ist ihr Aktionsraum wesentlich größer.
 
Die jungen Wanderfalken wuchsen rasch heran. Bei der Beringung am 10. Mai konnten die AGW-Mitarbeiter das Geschlecht der Jungvögel bestimmen: zwei Männchen und ein Weibchen sind es in diesem Jahr.
Jungfalken im Alter von drei Wochen. Die schwarzen Federkiele werden sichtbar.

Jungfalken im Alter von drei Wochen. Die schwarzen Federkiele werden sichtbar.

Erster Ausflug auf das Flugbrett.

Erster Ausflug auf das Flugbrett. Das Jugendkleid ist noch stark durchsetzt mit weißen Dunen.

 

Der erste Jungvogel fliegt aus.
Am Samstag, 29. Mai 2010, flog der erste Jungfalke aus. Laut der Meldung eines Anwohners wurde er auf einem der Dächer am Marktplatz gesichtet. Danach wurde er bis zum 7. Juni (siehe unten) nicht mehr gesehen; vermutlich hatte er sich in einer nicht einsehbaren Nische versteckt oder trainierte bereits unter Anleitung seiner Mutter den Beutefang auf freiem Feld.
 

Kurz vor dem Ausfliegen
Kurz vor dem Ausfliegen


Am Dienstag, 01. Juni, saß der zweite flügge Jungvogel gegen 11.00 Uhr auf der Brüstung des Südturms; auch er hatte also den Abflug gewagt. Eine halbe Stunde später, zur Fütterung durch die Altvögel, flog er von der Brüstung wieder auf das Flugbrett und nahm seine Mahlzeit im Nistkasten ein. Nachher saß er zum Verdauen einträchtig mit dem Nesthäkchen auf dem Flugbrett. Inzwischen pendelt er zwischen der Stadtkirche und dem Kesslerhaus und kehrte am Freitag, 4. Juni 2010, auch nicht zur Mittagsmahlzeit in den Nistkasten zurück. Dort bekam der Benjamin unter den Jungfalken pünktlich um 11.30 Uhr eine Taube serviert; sein Geschwister auf dem Kirchendach meldete sich zwar mit kläglichen Bettelrufen, wurde dort aber nicht gefüttert. Eine Stunde später, gegen 12.30 Uhr, hatte auch das Nesthäkchen den Nistkasten verlassen und saß auf der Brücke zwischen den beiden Türmen. Am Montagmorgen (7. Juni) sah Dietrich Francke (NABU) alle drei Jungfalken gesund und munter über den Marktplatz fliegen. Inzwischen hat die Falkenfamilie ihr Jagdgebiet erweitert und wird nur noch selten in der Innenstadt zu beobachten sein.

Altvogel auf Kreuz Foto: NABU/G.Binder

Altvogel auf Kreuz Foto:NABU/Binder

Die Jungfalken werden nach dem Ausfliegen noch etwa vier Wochen von den Eltern gefüttert. Die sogenannte Bettelflugperiode dauert insgesamt bis zu sieben Wochen. Dabei wird der Beutefang trainiert. Dazu lassen die Eltern Beutestücke aus großer Höhe fallen, auf die sich die Jungen stürzen und die sie greifen sollen. Es kostet viele Versuche, bis die Jungen erfolgreich jagen können. Danach müssen die jungen Falken sich ein eigenes Revier suchen. Die Jungfalken leben gefährlich: Im ersten Lebensjahr beträgt die Überlebensrate lediglich etwa 40 %. Das Höchstalter der Wanderfalken beträgt in freier Natur aber immerhin fast 18 Jahre (dies wurde bei einem beringten Falken festgestellt).

In unseren Breiten tragen nur die jungen Wanderfalken ihren Namen zu Recht, und auch sie wandern nicht weit: Junge Weibchen siedeln sich im Durchschnitt etwa 121 km, junge Männchen nur 44 km von ihrem Geburtsort entfernt wieder an. Die Jungfalken aus Baden-Württemberg ziehen meistens Richtung Südwesten, manche auch nach Bayern. Die Altvögel bleiben im Revier. Die weiteste Wanderung im ersten Lebensjahr betrug bei einem in Baden-Württemberg beringten Wanderfalken 930 km. Der Vogel wurde in den Pyrenäen aufgefunden.
Sämtliche Fotos auf dieser Seite (mit Ausnahme des Altvogels auf dem Kreuz) wurden von der Digitalkamera aufgenommen, die W. Barth (BUND) vor dem Nistkasten installiert hatte. Sie nahm pro Stunde ein Bild auf. Bearbeitet wurden die Fotos von Werner Barth (BUND), Ch. Reimers (NABU) und H.-G. Hecht (NABU).

Weitere Infos:
 
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