Nilgans im Wanderfalken-Kasten

 

 

Aufmerksame Beobachter der gerade installierten Webcam der "Eßlinger Zeitung" trauten am 4. März 2013 ihren Augen nicht: Im Wanderfalkenkasten auf der Stadtkirche ließ sich ein großer Vogel auf der Nistkuhle nieder. Der Eindringling wirkt mit den braunen Ringen um seine Augen wie ein echter Pirat. Christa Reimers und Dietrich Francke vom NABU identifizierten den Hausbesetzer: Es handelte sich um eine Nilgans. Auch der Nilganter stellte sich bald ein. Die Gänse fabrizierten eine zweite Nestkuhle im Sand-Kies-Gemisch des Kastens; probehalber ließ sich die Gans darauf nieder. Zur Brut kam es jedoch nicht - offenbar hat die Nilgans einen Nistplatz gefunden, der ihr mehr zusagte. Vielleicht konnte sie sich auch einfach nicht entscheiden, welche der beiden Nistkuhlen sie für ihre Brut wählen sollte.

 

 

Nilganspaar im Kasten - Welche Kuhle nehmen wir denn?
Nilganspaar im Kasten - Welche Kuhle nehmen wir denn?

 

 

Wie die Wanderfalken begnügt sich die Nilgans in Gebäuden und Felsen mit einer Nestkuhle, die sie allerdings mit Dunen auslegt. Sie legt ab März 5 bis 10 Eier im Abstand von 1 bis 2 Tagen und beginnt mit der Brut, nachdem sie das letzte Ei gelegt hat. In Westeuropa kommt es vor, dass Nilgänse bis zu dreimal im Jahr brüten. Das Weibchen brütet allein ca. 28 bis 30 Tage. Im Gegensatz zu den jungen Wanderfalken sind die jungen Nilgänse Nestflüchter. Kurz nach dem Schlüpfen verlassen sie das Nest und lassen sich von den Eltern zum Wasser führen. Liegt ihre Kinderstube hoch, lassen sich die Jungen einfach auf die Erde fallen, meistens ohne sich zu verletzen.

 

 

Nilganspaar auf dem Flugbrett
Nilganspaar auf dem Flugbrett

 

Nilgänse brüten gelegentlich auch zwei- bis dreimal im Jahr, manchmal noch im September. Sie sind flexibel in der Wahl ihrer Brutgebiete: Sie brüten auf Bäumen (gern in bereits vorhandenen großen Nestern), auf Felsen, an Gebäuden, auf Flößen am Wasser, am Boden in dichter Vegetation oder auch in Erdlöchern. Hauptsache, es gibt Wasser in der Nähe.

 

Wie bei vielen Vogelarten ist der Bruterfolg bei den Nilgänsen bescheiden: Nur 10 bis 25 % der Nilgänse Deutschlands brüteten in den 90er Jahren erfolgreich. Nach sechs Wochen war oft die Hälfte der Jungen verschwunden.

 

 

 

Nilgans-Küken. Foto: NABU
Nilgans-Küken. Foto: NABU

 

 

Die Nilgans ist tatsächlich am Nil beheimatet, breitete sich im 17. Jahrhundert nach Südosteuropa aus und tauchte als Wildvogel bereits 1884 in Deutschland auf. Seit den 50er und 60er Jahren wurde sie häufiger in Deutschland beobachtet, seit etwa 1986 brütet sie auch hier (1995 ca. 200 – 250 Paare), zunächst im Nordwesten Deutschlands. Sie gehört zu den sogenannten "Halbgänsen", die in Verhalten und Aussehen zwischen den Gänsen und Enten stehen.

 


Nilgänse. Foto: Tom Dove
Nilgänse. Foto: Tom Dove

 

 

 

(Quelle der Informationen zur Brutbiologie / Verbreitung: Bauer / Bezzel / Fiedler, Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas, 2. Aufl. 2005, Wiesbaden)

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