Fledermäuse

Fledermäuse - Coronaviren-Schleudern?

 

 

Fledermäuse gelten als Träger vieler Viren, darunter auch des Coronavirus. Bisher gibt es laut Bundesministerium für Forschung und Wissenschaft aber keinen Hinweis darauf, dass unsere heimischen Fledermäuse für Menschen gefährlich werden könnten; Fledermäuse übertragen extrem selten Krankheiten auf den Menschen. Im Gegenteil: Sie spielen eine wichtige Rolle in den Ökosystemen und sind für uns Menschen als "Schädlings-bekämpfer" sehr nützlich - unter anderem jagen sie auch Schnaken und Tigermücken. Einige Fledermausarten bestäuben sogar Kulturpflanzen.

Statt sie zu bekämpfen, brauchen sie unseren Schutz: Viele Fledermaus-Arten sind vom Aussterben bedroht. Ihnen fehlt es an geeigneten Quartieren und immer häufiger auch am Futter - das Insektensterben trifft sie ebenso wie die Vögel. Ihre bevorzugte Nahrung, die Nachtfalter, werden immer seltener. Pestizide dezimieren auch Fledermäuse. Auch an Windrädern verunglücken sie häufig.

Die Fledermäuse beziehen im Laufe des Jahres mehrere Quartiere: Sommerquartiere werden im März und April aufgesucht; die trächtigen Weibchen schließen sich im Frühsommer in sogenannten Wochenstuben zusammen und bringen dort ihre Jungen zur Welt. Dafür nehmen einige Arten weite Wanderungen in Kauf. Der Herbst ist Paarungszeit; die Weibchen speichern die Spermien bis zum Frühjahr.
Einmal im Jahr ein Junges ist die Regel, beim Abendsegler, der Zwergfledermaus und der Zweifarbfledermaus gibt es dagegen meistens Zwillinge. Die Vermehrungsrate ist also nicht hoch. Fledermäuse können bis zu 30 Jahre alt werden, doch kaum 40 % der Jungen erreichen das zweite Lebensjahr.

 

 

 

Großes Mausohr: Wochenstube
Foto: Eckhard Grimmberger

 

 

Im Herbst wandern sie in ihre frostsicheren Winterquartiere. Obwohl Fledermäuse ihre Körpertemperatur konstant halten können, sind sie auch in der Lage, sie gezielt bis nahe an den Gefrierpunkt abzusenken, um Energie zu sparen. Sie können dann in den Wintermonaten von ihren Fettreserven zehren. Der Aufwachvorgang kostet viel Energie und dauert zwischen 60 und 160 Minuten; Fledermäuse reagieren auch während des Winterschlafs auf Störungen empfindlich. Werden sie zu oft geweckt, sterben sie.

  

 

Fledermäuse in Esslingen

 

 

Seit 1988 befaßt sich unser Vorsitzender Ralf Hilzinger mit den Fledermäusen in Esslingen. Es fing an mit einem Projekt der Pfadfindergruppe Normannen im CVJM Esslingen, die Fledermauskästen baute und nach Absprache mit dem städtischen Forstamt im Stadtwald an der Körsch aufhängte. Dafür und für eine Ausstellung zu Fledermäusen in der Zentrale der Volksbank gab es1990 den Umweltpreis der Stadt Esslingen.

Ralf Hilzinger betreut Fledermauskästen im Stadtwald von Esslingen, die einmal jährlich im Frühjahr kontrolliert werden. Dafür werden noch Helfer gesucht. Auch auf dem Ebershaldenfriedhof hängen Kästen, die bei der jährlichen Nistkasten-Kontrolle im Herbst ebenfalls kontrolliert werden. Dort findet man in diesen eigentlich für Vögel völlig ungeeignet konstruierten Kunsthöhlen immer wieder Blau- und Kohlmeisen-Nester. Fledermaus-Kästen werden auch gern von Siebenschläfern und Hornissen besiedelt.

 

 

Abendsegler in der Maille

 

1991 wurden erstmals Abendsegler, die aus den Baumhöhlen der großen Platanen in der Maille ausflogen, beobachtet. Bis 1998 und dann wieder seit 2008 fanden systematische Zählungen ausfliegender Abendsegler in der Maille statt. Gezählt wurden bis zu 123 Abendsegler, die innerhalb von 15 Minuten aus einer Baumhöhle ausflogen. Anfang der 1990er Jahre waren solche Beobachtungen in der Maille normal, vor allem während des Frühjahrs- und Herbstzuges dieser Fledermausart. Ende April / Anfang Mai und dann wieder im September rasteten mehrere hundert Abendsegler in der Maille. Es handelte sich damals um das größte bekannte Abendseglerquartier im näheren Umkreis, zumindest im Landkreis Esslingen. Es war ganzjährig von Abendseglern bewohnt, diente also auch als Sommer- und Winterquartier. Im Sommer waren bis zu 50 Abendsegler in den Bäumen.

 

 

 

 

 

Großer Abendsegler

 

 

Foto:

Eckhard Grimmberger

 

Die größten Zahlen stammten jedoch von den "Fernwanderern", denn die Wochenstuben der Abendsegler liegen normalerweise in Nord- und Ostdeutschland und sogar in Südskandinavien. Einen Hinweis auf eine Wochenstube in Esslingen gab es am 20. Juli 1997: An diesem Tag wurde in der Nymphaea ein flügger Jungabendsegler mit einem gebrochenen Flügel gefunden; er überlebte leider nicht. Es war der erste Nachweis eines Jungabendseglers für Baden-Württemberg.

 

 

Abendsegler Wochenstube

Foto Eckhard Grimmberger

 

 

Manchmal gab es im August Flugszenen, die man als Flugtraining mit Jungtieren hätte interpretieren können, wenn das nicht laut Literatur unmöglich gewesen wäre.

 

 

 

 

 

 

Kleiner Abendsegler in Baumhöhle.

 

 

Foto:

NABU / Dietmar Nill

 

 

Der sehr kalte Jahreswechsel 1996/1997, als zwei Wochen lang Tageshöchst-temperaturen von -10°C herrschten, war für die Abendsegler-Überwinterer in der Maille katastrophal. Jeden Tag fielen mehrere Abendsegler aus den großen Platanen. Zweimal täglich wurde dieser Bereich der Maille nach Abendseglern abgesucht. Insgesamt wurden 30 Tiere gefunden, die Hälfte war noch lebendig, der Rest erfroren. Die Überlebenden fütterte Ralf Hilzinger auf und rettete sie so über die kalte Zeit. Im zeitigen Frühjahr kamen dann acht Jungtiere zur Welt, so daß die Betreuung der Gruppe verlängert werden mußte. Erst als die Jungtiere nach ausgiebigem Flugtraining in einer Tübinger Voliere fit genug waren, wurden alle flugfähigen Tiere in der Maille wieder freigelassen.

 

 

Abendsegler im Winterquartier

Foto: NABU Neumünster

 

 

1998 endeten die regelmäßigen protokollierten Beobachtungen vorläufig. Sie wurden erst 2008 wieder aufgenommen. In diesen zehn Jahren hat die Zahl der Abendsegler drastisch abgenommen. Die neueren Aufzeichnungen zeigen auch während der Zugzeit nur noch wenige Exemplare gleichzeitig. Von einem bedeutsamen Quartier kann nicht mehr gesprochen werden. Über die Ursachen des Rückgangs kann nur spekuliert werden. Die Maille ist heute stärker von Menschen frequentiert als noch vor 20 Jahren. Der Spielplatz unter den Platanen mit den Fledermausquartieren ist völlig deplaziert. Die Gaststätte daneben ist im Sommer oft gut besucht. Ralf Hilzinger vermutet, dass neben diesem Störpotential weitere Faktoren für den Rückgang der Fledermäuse verantwortlich sind. Die Ursachen können in Esslingen, vielleicht sogar im Quartier selbst liegen, aber möglicherweise auch viele hundert Kilometer nördlich: Wie gesagt, befinden sich die Wochenstuben der Abendsegler hauptsächlich in Nord- und Ostdeutschland, und dort stehen heute zahlreiche Windkraftanlagen. Abendsegler gehören zu den häufigen Schlagopfern (Ittermann 2012); dies gilt vor allem für Jungtiere. Hochrechnungen legen nahe, daß Windkraftanlagen für Abendsegler bestandsbedrohend sind.

 

In der Maille waren über viele Jahre hinweg faszinierende Beobachtungen möglich. Ralf Hilzingers Fledermaus-Führungen in dieser Zeit waren ein Publikumsrenner: 50 bis 100 Teilnehmer waren fast die Regel.

 

 

Informationen über die Esslinger Fledermausarten finden Sie auf der Seite
Fledermausarten in Esslingen

 

 

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Turteltaube NABU/R. Thierfelder
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