Stunde der Gartenvögel 2026

Bereits zum 22. Mal fand in diesem Jahr die Stunde der Gartenvögel, initiiert durch den NABU und seinen bayerischen Partner Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV), statt. Bundesweit haben sich 56.012 Vogelfreundinnen und Vogelfreunde daran beteiligt und in 38.455 Gärten und städtischen Grünanlagen dabei 1.093.305 Vögel gezählt.

 

Auch im Kreis Esslingen wurden bei strahlendem Sonnenschein Gartenvögel gezählt, 285 Interessierte haben aus 212 Gärten, Parks oder auch Balkonen 4.785 Vögel gemeldet.  

Haussperling, der stete Sieger (Foto: naturgucker.de/Eric Fischer)
Haussperling, der stete Sieger (Foto: naturgucker.de/Eric Fischer)

Das bekannte Trio

Der 1. Platz im Bundesgebiet geht mit 149.578 gezählten Individuen wie schon in den vergangenen Jahren an den Haussperling. Auch in Esslingen nimmt der gesellige Sperling mit 888 Tieren den 1. Rang ein.

Mit deutlichem Abstand dahinter kommt – sowohl bundesweit wie auch in Esslingen - die Kohlmeise mit 91.669 bzw. 469 Individuen (BRD/ES) auf Platz 2, dicht gefolgt von der Amsel auf dem 3. Platz mit 90.221 bzw. 451 Individuen (BRD/ES). In Esslingen hatte die Kohlmeise schon die letzten Jahre die Amsel überflügelt, bundesweit betrachtet ist die Kohlmeise auf Platz 2 aber eine Premiere.

 

Durch die starken Verluste vergangener Jahre aufgrund des Usutu-Virus wird auf den Bestand der Amsel mit Sorge geblickt. Aber erfreulicherweise zeigt die bekannte Schwarzdrossel gegenüber dem letzten Jahr keinen deutlichen Unterschied und ihr vertrauter Gesang erklingt im Bundesgebiet in 89,78% und in Esslingen sogar in 90,57% aller Gärten. Die Amsel ist damit wieder die Vogelart, die in den meisten Gärten vertreten ist. 

Getrübter Sieg

Der Haussperling nimmt zwar mit den am meisten gezählten Individuen wie jeher den 1. Rang ein, dennoch ist sein Bestand über die Jahre bundesweit rückgängig. Gegenüber 2025 zeigt der freche Spatz einen Trend von -9%, in Esslingen sind es -6%.

Auch sein kleinerer Verwandte, der Feldsperling hat einen stetigen negativen Trend. Im gesamten Bundesgebiet landet der Feldsperling auf dem 8. Rang (-6%). In Esslingen ist die „Anzahl Vögel/Gärten“ im Vergleich zum Vorjahr sogar um -42% gesunken, mit 138 Individuen nimmt er dennoch den 9. Rang ein.

 

 Diese beiden Vogelarten sind nur ein Beispiel für einen generellen negativen Trend unserer Siedlungsvögel. Wurden 2018 bei der Stunde der Gartenvögel noch 33,79 Vögel/Garten gemeldet, sind es in diesem Jahr nur noch 28,43 Vögel/Garten(Feldsperling, Foto: naturgucker.de/Peter Trenzt)

Weitere Platzierungen unter den „Top Ten“

Mit 75.374 gesichteten Tieren liegt der Star bundesweit deutlich hinter der Amsel und wie auch 2025 auf Platz 4. Gefolgt von der Blaumeise auf dem 5. Platz (68.384 Individuen), ihr Bestand ist zwar leicht schwankend, aber insgesamt stabil. In Esslingen haben die beiden Vogelarten umgekehrte Plätze: Die Blaumeise kommt auf den 4. Rang (296 Tiere), gefolgt vom Star mit 269 gezählten Vögeln auf dem 5. Platz. Damit geht es in Esslingen für den Star endlich wieder etwas aufwärts (+19%).

(Fütterung der Blaumeisen, Foto: naturgucker.de/Antje Schultner)

 

Bundesweit folgt die Elster auf Rang 6, die Ringeltaube mit einem leichten positiven Trend von 14% auf Platz 7. Der Feldsperling landet auf dem 8. Platz und dahinter der Mauersegler, der nach den erfreulichen Ergebnissen von 2025 wieder einen besorgniserregenden negativen Trend von -25% aufweist, auf Platz 9. Das Rotkehlchen mit 32.924 gezählten Individuen landet auf dem 10. Platz.

 

Auch in Esslingen kommt die Elster auf Platz 6 (262 Tiere) und die Ringeltaube auf Platz 7 (200 Tiere). Danach folgt bei uns aber die Rabenkrähe auf Platz 8, nach ihrem kurzen Aufstieg im Jahr 2025 wurden im Schnitt nur 0,88 Vögel/Gärten gezählt (-32%). Der Feldsperling auf dem 9. Rang und 138 gesichteten Individuen liegt nur knapp vor der Mehlschwalbe mit 128 Individuen (Platz 10). Auch die Mehlschwalbe wird betrachtet über die letzten Jahre immer weniger gemeldet, in diesem Jahr ist der Trend bei -26%.

Finken im Fokus

Buchfink (Foto: naturgucker.de/Edith Löb) und Grünfink (Foto: naturgucker.de/Roland Tichai)

Da dem NABU in den letzten Monaten immer wieder tot aufgefundene Finken wie Grün-, Buchfink oder Stieglitz gemeldet wurden, lag ein besonderer Fokus dieser Stunde der Gartenvögel auf den Finken. Befürchtet wurde ein erneuter Ausbruch der Trichomoniasis.

Dieser Verdacht wurde aber bei der bundesweiten Zählung nicht bestätigt. Bundesweit weisen Finken mit beispielsweise dem Stieglitz (+12%) oder dem Gimpel (+21%) nur positive Trends auf. In Esslingen fallen mit einem negativen Trend nur der Buchfink (-20%) und der Girlitz (-44%) auf. Der Buchfink wird in Esslingen schon die letzten Jahre immer weniger gemeldet, für den Girlitz ist es dieses Jahr aber ein deutlicher Einbruch. Für den Gimpel wurde in Esslingen dieses Jahr kein einziges Individuum gemeldet.

 

Trichomoniasis wird durch einen einzelligen Parasiten verursacht. Die Ansteckung erfolgt dabei häufig an Futter- und vor allem Wasserstellen, da sich der Erreger in Trinkwasser bei sommerlichen Temperaturen bis zu 24 Stunden halten kann. Deswegen sollte momentan das Wasser mindestens täglich gewechselt werden. Der NABU empfiehlt auch das Füttern in den Sommermonaten einzustellen bzw. nur Futtersäulen zu verwenden. 

Sorgen und Freuden

Zu den wohl am häufigsten als Sorgenvögel bezeichneten Vogelarten gehören die insektenfressenden Flugakrobaten Mauersegler, Mehl- und Rauchschwalbe. Auch dieses Jahr zeigen leider deutschlandweit Mauersegler (Platz 9) und Mehlschwalbe (Platz 11) einen negativen Trend von -25% bzw. -12%. Nur die Rauchschwalbe scheint sich ein bisschen zu erholen (+10%, Platz 17).

Im Kreis Esslingen schneiden alle drei Vogelarten mit einem weiterhin negativen Trend ab: Mehlschwalbe (-26%, Platz 10), Mauersegler (-40%, Platz 15) und Rauchschwalbe (-40%, Platz 35)

Es gibt aber auch erfreuliche Zahlen zu entdecken. Beispielsweise für Mönchsgrasmücke und Zilpzalp zeigt der Trend nach oben, auch die Daten des Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) bestätigen, dass die Bestände beider Arten langsam, aber stetig zunehmen.

Auf das gesamte Bundesgebiet bezogen hat die Mönchsgrasmücke ein Plus von 29% (Platz 21) und der Zilpzalp ein Plus von 19% (Platz 24).

 

Auch in Esslingen schimmert die schwarze Kappe der Mönchsgrasmücke wieder häufiger im Gebüsch (+9%, Platz 19) und vermehrt erschallt der vertraute Ruf des Zilpzalp im Frühjahr (+14%, Platz 28). (Mönchsgrasmücke, Foto: naturgucker.de/Jürgen Podgorski)

Esslingen Spezial

Kolkrabe (Foto: naturgucker.de/Roland Tichai) und Grauschnäpper (Foto: naturgucker.de/Olav Krüger)

Würde der Gewinner anhand des größten positiven Trends ermittelt, wäre in Esslingen der Kolkrabe auf Platz 1: Der große Singvogel mit dem markanten Ruf wurde in Esslingen 21-mal gezählt und weist einen positiven Trend von +1922% auf! So landet der Kolkrabe immerhin auf Platz 31.

Einen enormen Sprung hat auch der Grauschnäpper gemacht, zwar wurden nur 3 Individuen gemeldet, aber im Vergleich zum Vorjahr ist der Trend +190%.  

Vogel des Jahres

Das Rebhuhn wurde als Vogel des Jahres 2026 gewählt, da sein Bestand seit 1980 fast um 90% eingebrochen ist. Schon 1991 war das Rebhuhn einmal Vogel des Jahres. Es steht aber auch stellvertretend für eine ganze Lebensgemeinschaft auf den Äckern, die immer mehr gefährdet ist.

 

Ein richtiger Gartenvogel ist der Vogel des Jahres somit nicht und es wurde in Esslingen auch kein einziges Tier gesichtet. Bundesweit wurden 90 Rebhühner gemeldet (Platz 108). 

(Rebhuhn, Foto: naturgucker.de/Ulrich Köller)

Alle Daten auf einen Blick

Weitere Daten und alle Ranglisten zur diesjährigen Stunde der Gartenvögel finden Sie auch auf der Homepage des NABU-Dachverbandes:

 

Rangliste deutschlandweit

Rangliste Kreis Esslingen